Foto: Max Pinckers, „Red Ink“

Leica Oskar Barnack Award 2018

Vom 11. bis 31. Oktober 2018, täglich geöffnet von 14 bis 20 Uhr
Eröffnung: Mittwoch, 10. Oktober 2018, 17:30 Uhr

Die Ausstellung zeigt Bilder der zwölf Finalist*innen des 38. internationalen und traditionsreichen Fotowettbewerbs in der Galerie der Neuen Schule für Fotografie.

Eine hochkarätige und international besetzte Jury ermittelt jährlich die Preisträger in den beiden Kategorien Leica Oskar Barnack Award und Leica Oskar Barnack Award Newcomer in einem Auswahlverfahren. Die Jury achtet dabei auf die treffsichere Beobachtungsgabe der Fotografen, die in ihren geschlossenen Bildserien von bis zu zwölf Aufnahmen die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt auf anschauliche Weise zum Ausdruck bringen. Zu den Gewinnern der vergangenen Jahre zählen unter anderem Martin Kollar (2014), Mikhael Subotzky (2009), Dominic Nahr (2009), Jane Evelyn Atwood (1997) sowie Sebastiao Salgado (1985 und 1992). Mit Preisen im Gesamtwert von rund 80.000 € gehört der Leica Oskar Barnack Award zu den hochdotiertesten Fotowettbewerben der Branche.

Im Rahmen des EMOP Berlin (European Month of Photography) präsentiert die Leica Camera AG die Bildserien der zwölf Finalisten des renommierten Leica Oskar Barnack Awards in den Galerieräumen der Neuen Schule für Fotografie. Der EMOP Berlin ist eine Veranstaltung der Kulturprojekte Berlin in Kooperation mit Berliner Museen, Kulturinstituten und Galerien.

 

Foto: Max Pinckers, "Red Ink"
Foto: Max Pinckers, "Red Ink"
Foto: Max Pinckers, "Red Ink"

Der Gewinner des Leica Oskar Barnack Award 2018 in der Hauptkategorie ist der belgische Fotograf Max Pinckers mit seiner Serie „Red Ink“.
In Singapur ist es gerade zu einem Treffen zwischen Donald Trump, USA, und Kim Jong-un, Nordkorea, gekommen, bei dem eine Vereinbarung unterzeichnet wurde, die wir möglicherweise einmal als „historisch“ ansehen werden. Vielleicht werden sich in dem isolierten asiatischen Land dereinst auch Fotografen nicht mehr subversiver Methoden bedienen müssen – wie jetzt noch Max Pinckers.
Nordkorea ist eines der abgeschottetsten Länder auf der Welt. Auch wenn man den Eindruck haben könnte, dass das Regime in letzter Zeit mehr Fotografen ins Land hineinlässt, ist unabhängiges Fotografieren höchstens dann möglich, wenn es dem Fotografen einmal gelingt, die Argusaugen der Aufpasser abzulenken, oder wenn sich zufällig eine Situation ergibt, die die Aufpasser so nicht haben kommen sehen. Pinckers war im Auftrag des Wochenmagazins „The New Yorker“ in Nordkorea, wo er auf dem Höhepunkt des Propagandastreits mit den USA im August 2017 den Journalisten Evan Osnos auf einer viertägigen Reise begleitete. Pinckers hatte sich von vornherein keinerlei Illusionen darüber gemacht, dass er mit seinen Aufnahmen einen Blick hinter die vom Regime aufgerichteten Kulissen werfen könnte. Stattdessen setzte er seinen Blitz wie bei einem Werbe- oder eben Propaganda-Shooting ein, um das Inszenierte der jeweiligen Situation zu verdeutlichen.

 

Foto: Mary Gelman, "Svetlana"
Foto: Mary Gelman, "Svetlana"
Foto: Mary Gelman, "Svetlana"

Der Leica Oskar Barnack Award Newcomer 2018 geht an Mary Gelman für ihre Serie „Svetlana“.
Etwa 150 Kilometer östlich von St. Petersburg liegt Svetlana, eine Einrichtung der anthroposophischen Camphill-Bewegung. Fast zwei Jahre lang besuchte Mary Gelman immer wieder diesen Ort – eine heilpädagogische Initiative, in der behinderte Menschen selbstständig und fern von Vorurteilen oder Diskriminierung leben und arbeiten.

 

Foto: Stephen Dock, „Architecture of Violence“

Kinder mit müden Gesichtern, kahle Wände mit Stacheldrahtresten, grundlose Aggression in den Blicken der Männer. So sieht das Nordirland aus, wie es der Franzose Stephen Dock in seiner Serie „Architecture of Violence“ abbildet. Die Zeit der bewaffneten Konflikte ist vorüber, doch die Seelen haben noch keine Ruhe gefunden.

 

Foto: Vanja Bucan, „Sequences of Truth and Deception“

„Macht euch die Erde untertan!“ – so lautet das göttliche Gebot in der jüdisch-christlichen Schöpfungsgeschichte. Ob das gut oder schlecht ist, kann man der Serie „Sequences of Truth and Deception“ von Vanja Bucan nicht entnehmen, doch die Herrschaft des Menschen über den Planeten setzt sie auf verblüffende Weise in Szene.

 

Foto: Turi (Salvatore) Calafato, „Amuninni ‚u mari (Let’s go to the sea)“

Viele italienische Familien verbringen den Sommerurlaub an den Stränden im eigenen Land, an denen es vor allem um den Nationalfeiertag Ferragosto am 15. August sehr voll und lebhaft wird. In der Serie „Amuninni ’u mari“ (Geh’n wir an den Strand) hat Turi Calafato das Leben und Treiben an den Stränden Siziliens dokumentiert – heiter, zugewandt und farbenfroh.

 

Foto: Christan Werner, „Road to Ruin“

In seiner Serie „Road to Ruin“ erkundet der deutsche Fotograf Christian Werner neue Wege in der Kriegsberichterstattung. Mit seinen stillen und beinahe poetischen Aufnahmen erzählt er vom Leben der Menschen im Syrien Baschar al-Assads nach dem Fall von Ost-Aleppo.

 

Foto: Elsa Stubbé, „Les extraterrestres ont mangé mon jardin“

Die Motive der Serie erklären sich nicht, vielmehr sind es rätselhafte Naturstudien, die auf verschiedenen Reisen der Fotografin in Europa und Kanada in Naturreservaten oder auch in Zoos und botanischen Gärten entstanden sind. Losgelöst von den ursprünglichen Kontexten verzaubern sie den Betrachter, nehmen ihn mit auf eine poetische Reise, in einen ganz speziellen Kosmos der Imagination.

 

Foto: Kechun Zhang, „Between Mountains and Water“

China ist ein Land, das in vielen Bereichen enormes Wachstum verzeichnet – oft genug zulasten der Umwelt. Natur scheint nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, konstruiert Kechun Zhang in seiner Serie „Between Mountains and Water“ Motive, die Berge und Flüsse in all ihrer Opulenz in den Vordergrund rücken – und die Menschen in diesen Umgebungen absurd nebensächlich erscheinen lassen.

 

Foto: Samuel Gratacap, „Presence“

Seit mehr als zehn Jahren bereist Samuel Gratacap Flüchtlingsrouten und -camps rund um das Mittelmeer. Er fotografierte auf der italienischen Insel Lampedusa, in Süditalien, Tunesien und Libyen, um zu beobachten, wie die Flüchtenden warten, sich im Exil einrichten und wie sie sich in ihrer neuen Heimat zurechtfinden. Entstanden sind Studien und Porträts auf beiden Seiten der Grenzen, die trennen – und manchmal auch verbinden.

 

Foto: Daniel Chatard, „Niemandsland“

Für das Projekt „Niemandsland“ hat sich Fotograf Daniel Chatard in das nordrhein-westfälische Braunkohlerevier begeben – direkt in das Zentrum eines scheinbar ewigen Konflikts zwischen Alteingesessenen, Ökoaktivisten, Tagebaumitarbeitern und der Polizei.

 

Foto: Stéphane Lavoué, „On the Edge of the World“

In über drei Jahren hat Stéphane Lavoué in der Gegend um seinen Wohnort Guilvinec in der Bretagne ein Mosaik aus Landschaften, Porträts und Detailmotiven zusammengetragen. Mit der Serie „On the Edge of the World“ hat er einen Bilderkosmos geschaffen, der sein Empfinden des Lebens und der Traditionen in diesem windumtosten Landstrich illustriert.

 

Foto: Ernesto Benavides, „Dredges“

Wider besseres Wissen geht der Raubbau an der Natur und an den natürlichen Ressourcen weltweit ungehindert weiter. Der peruanische Dokumentarfotograf Ernesto Benavides wirft in seiner Serie „Dredges“ einen drastischen Blick auf die illegalen Goldminen im Amazonas-Gebiet.