Foto: Tom Brooks

imagine – Ausstellung der Freien Klasse Eva Bertram 2017/18

17. November bis 20. Januar 2018
Eröffnung: Freitag, 16. November 2018, 19 Uhr

Nadine Blanke, Michaela Booth, Tom Brooks, Eva Grillhösl, Peng Hao, Markus Hermann, Sophia Paeslack, Alice Palchetti, Ladan Rezaeian, Bilal El Soussi, Benita Suchodrev

„imagine“ zeigt ausgewählte Ergebnisse fotografischer Langzeitprojekte, die im Rahmen des Workshops „Freie Klasse Eva Bertram 2017/18“ entstanden sind. Ob im Exil, unterwegs, zu Hause oder asylsuchend – die Teilnehmer*innen dieser Ausstellung kommen aus den unterschiedlichsten Lebenskontexten in Berlin zusammen. Ihre fotografischen Projekte und multimedialen Installationen reflektieren auf vielschichtige und meist sehr persönliche Weise unsere (Grenzen der) Wahrnehmungsfähigkeit und appellieren so an unser zu einem erheblichen Teil kulturell geprägtes Vorstellungsvermögen.

imagine wurde kuratiert von Eva Bertram, freischaffende Fotokünstlerin und Dozentin an der Neuen Schule für Fotografie sowie an der UdK Berlin. Die „Freie Klasse Eva Bertram“ existiert seit 2013 und ist ein Workshop-Format zur kontextualisierenden Betreuung persönlicher, selbst gewählter Fotoprojekte, die ausserhalb schulischer oder studentischer Rahmenbedingungen entstehen. Das Motto „augenfällig unscheinbar“ dient dabei als offenes Bezugsfeld.

Performances Bilal El Soussi
Freitag, 16. November 2018, 20 Uhr (während der Eröffnung)
Samstag, 15. Dezember 2018, 15 Uhr
Sonntag, 20. Januar 2019, 15 Uhr (letzter Ausstellungstag)

Öffnungszeiten der Galerie: Do bis So, 13 bis 18 Uhr
Schließzeiten während der Weihnachtszeit:
20. Dezember 2018 bis 6. Januar 2019

 

Foto: Nadine Blanke

Nadine Blanke

„Schaumstoff mit Kaffeepulver“ (work in progress)
„Sinnlichkeit ist neuro-biologisch die Fähigkeit, Sinneswahrnehmungen mit Sexualität im Unterbewusstsein zu assoziieren.“ – Marc Chatenieu, aus: „Die sogenannte Sünde“
Frauen, die Mütter sind, nackt zu fotografieren. Ohne sich hierbei der gewohnten Darstellungsweisen des „klassischen Aktes“ zu bedienen. Assoziationsräume zuzulassen, die der Komplexität und Individualität von Lust, Sinnlichkeit und Sexualität gerecht werden. Aus diesem Antrieb heraus entstand „Schaumstoff mit Kaffeepulver“.

 


Foto: Michaela Booth

Michaela Booth

„Wenn es wiederkommt, das Licht“
Meine Sinne werden geschärft, die Natur wird zum Resonanzboden für meine Selbstreflexion. Ich spüre mich und erfahre aus dieser kontemplativen Haltung die Welt neu. Mir stellen sich existentielle Fragen nach dem Warum und nach dem Woher und Wohin.
Zur Ausstellung erscheint ein Buch: A4, 60 Seiten, Digitaldruck

 

Foto: Tom Brooks

Tom Brooks

“Looking at a rainbow”
Als vor 25 Jahren in Südafrika die Apartheid abgeschafft wurde, trug Nelson Mandela seine Vision einer Rainbow Nation mit gleichen Chancen für alle in die Welt. Wenn ich heute auf meinen Reisen diesem Vermächtnis fotografisch nachspüre, wird mir vor allem eines klar: der Bogenschlag von der kulturellen Herkunft zum politischen Istzustand verleiht dem Land viele Gesichter, deren Abbild oftmals mehr Fragen aufkommen lässt, als dass ich Antworten finde. Für mich sind es aber gerade diese Bilder, die den Regenbogen dort so besonders machen.
Begleitend zur Arbeit „Looking at a rainbow“ erscheint das gleichnamige Buch mit 100 Seiten, Format DIN A4, Hardcover, Digitaldruck.

 


Foto: Eva Grillhösl

Eva Grillhösl

„Pick Variety“
Mein Vater besitzt einen Zahnstocher – den trägt er in der Tasche seiner Lederjacke und benutzt ihn bei Bedarf. Der Zahnstocher tut seit Jahren gute Dienste und ich finde, er könnte durchaus mal ausgewechselt und in Rente geschickt werden. Alle Versuche, meinen Vater davon zu überzeugen, sich einen neuen Zahnstocher anzuschaffen, verhallen im Nichts. Ich brauchte also eine Strategie, ihm einen neuen Begleiter schmackhaft zu machen, und begab mich auf die Suche auf der ganzen Welt.

 


Foto: Peng Hao

Peng Hao

„Ohne Titel“
„Der Körper ist manchmal verbunden mit dem Raum. Die Kurven gehen über vom Körper zur Architektur und wieder zurück. Ein Rhythmus entsteht zwischen den Beiden.“ – Peng Hao
Die minimalistischen, abstrakt anmutenden Schwarzweißfotografien menschlicher Körperpartien sowie architektonischer Details – mal sanft grau, mal kontrastreich gehalten – changieren zwischen Zwei- und Dreidimensionalität und laden den Betrachter zur Reflexion über Grundfragen unserer Wahrnehmung ein.

 

Fotos: Markus Hermann

Markus Hermann

„concipere“ (Galerie)
Gedanken, Tagträume.
Ängste. Phantasien.
Die mich heimsuchen.
Ein Teil von mir.
Mein Leben begleiten.
Mich führen.
Mich wachsen lassen.
Die ich nicht missen möchte.
(In „concipere“ setze ich den Fokus auf Ängste, sexuelle Phantasien, Selbstverliebtheit, Symbiosen und Dominanzen.)

„viare“ (Keller)
Reisen.
Bedeutet Freiheit.
Bedeutet auch Einsamkeit.
Bedeutet Gefangenheit.
Im abgeschlossenen, abgeschirmten Raum.
Eines Hotelzimmers.
Allein.
Unterwegs.
In der Ferne.
Reisen bedeutet auch Freiheit.
(Mit „viare“ möchte ich meine Gedanken festhalten, die im abgeschirmten Bereich eines Hotelzimmers entstehen.)

 

Foto: Sophia Paeslack

Sophia Paeslack

„Ich bleib‘ immer 7 Jahre / Lied”
ist ein Buchprojekt, das 2017 mit dem Buch „4 – warum wachsen Menschen automatisch?“ begonnen hat. Darin hielt Sophia Paeslack anhand von Fotos und Zitaten ihres Sohns eine Zeit fest, in der Kinder beginnen, Fragen zu stellen und ein ganz eigenes Erklärungsmodell für die Welt zu entwickeln. In ihrem neuen Buch geht es auf diesem Weg weiter. Diesmal kommt zu den Bildern ein Liedtext ihres Sohnes, der einen Einblick gibt in die Ängste, Träume und Wünsche eines Siebenjährigen. Auch hier geht es Sophia Paeslack darum, den unmittelbaren, universellen Blick und die Gefühlswelt in dieser kurz andauernden Zeit im Leben eines Menschen einzufangen.
Zur Ausstellung erscheint ein Buch: 240x180mm, 60 Seiten, Digitaldruck; Fadenbindung

 


Foto: Alice Palchetti

Alice Palchetti

„Symphonie des Lebens“
Das Wort „Symphonie“ kommt aus dem Griechischen und ist zusammengesetzt aus „syn“ (zusammen) und „phōne“ (Klang). Durch das Zusammenspiel verschiedener Medien habe ich eine Verbindung – mal stärker, mal feiner – zwischen musikalischer Sprache und visueller Erzählung aufgebaut.
Wie eine klassische Symphonie hat das Projekt vier verschiedene Sätze, wobei jeder Satz einen Mikrokosmos mit eigenem Charakter darstellt – mit eigenem Tempo, eigener Sprache und eigenem Aufbau, mal ausladend, mal nachdenklich, mal tänzerisch. Trotz dieser Unterschiede sind die dargestellten Welten verbunden mit dem Gefühl des Daseins, das wie ein Hintergrundgeräusch allgegenwärtig ist und zum Gehen zwingt, egal wohin. Ein pulsierendes Herz als einziges gemeinsames Lebenselement.

 

Foto: Ladan Rezaeian

Ladan Rezaeian

„selbstverständlich nicht“
Ich fotografiere in Berlin lebende Iraner, weil ich selbst aus diesem Land stamme. Im Rahmen meines Projekts möchte ich herausfinden, warum meine Landsleute ihr Land verlassen haben, mit welchen Hoffnungen sie nach Deutschland gekommen sind und ob sich diese Hoffnungen erfüllt haben. Mit meinen Fotos versuche ich darzustellen, was ihnen ihre Heimat heute noch bedeutet. Die Porträts sollen dem Betrachter die jeweilige Person näherbringen.

 


Foto: Bilal El Soussi

Bilal El Soussi

“Not my water”
„Not my water“ ist eine multimediale Auseinandersetzung mit atypischen Lebenserfahrungen. Die Idee zu diesem autobiografischen Projekt basiert auf den ausweglos erscheinenden Umständen, unter denen sich der Fotograf seit vier Jahren in der Bundesrepublik Deutschland aufhält. Getragen von einem Gefühlsgemisch aus Heimweh, Lebensbedrohung, Angst vor dem Unbekannten und Ungerechtigkeit, bewegt sich El Soussi im destruktiven Zwiespalt zwischen Enttäuschung und Zusammenbruch. Der Alltag ist ein Kampf ums Überleben und der Versuch, die Lücken im System zu finden, die den nächsten Ausweg in Aussicht stellen.

Dank der bürokratischen Komplexität ist der autodidaktische Fotograf zu einem Überlebenskünstler geworden. Für diese Serie hat er sich vier Wochen zu Hause eingesperrt und experimentell die ausgestellte Installation gebaut, sich unter Wasser selbst inszeniert und währenddessen seine Arbeit dokumentiert. Um auch seine außerfotografischen Erfahrungen nachvollziehbar zu machen, wird die Rauminstallation durch Making-of-Filmschnitte, Tonaufnahmen sowie Textdokumente ergänzt.

 

Foto: Benita Sucho

Benita Suchodrev

“WHO DO YOU THINK I AM”
Mit Unterstützung von Burghard Vogel Motion Design (www.guricht.tv)
Die multimediale Installation „Who Do You Think I Am“ basiert auf einer fotografischen Serie ambivalent-plakativer Selbstinszenierungen der russisch-amerikanischen Porträt- und Dokumentarfotografin Benita Suchodrev, aufgenommen in skurrilen, thematisch gestalteten Räumen eines stillgelegten „Gesamtkunstwerk“-Hotels in Berlin. Die Serie baut auf fabrizierten „Bild- und Raumstörungen“ auf, in denen Identität und „Reales“ gleichermaßen in Frage gestellt und vorausgesetzt werden.

Umgeben von ausgesuchten Requisiten entwirft die Fotografin in dieser seltsamen Kulisse ironisch hinterfragend ihre „Quasi-Identitäten“, hinter deren femininem und glamourösem Schein Künstlichkeit, Zwanghaftigkeit, Fremdsteuerung, Überfluss, Einsamkeit und Leere aufblitzen. Suchodrev trägt stets ein hautfarbenes Latex-Kleid, das als Hülle und zweite Haut dient, die sie gleichzeitig schützt, enthüllt und einengt.

Durch die digitale Sequenzierung einzelner ausgewählter Standbilder und diverser animatorischer Eingriffe werden die zweidimensionalen, teilweise selbstreflexiven Bildaufnahmen sowohl belebt, als auch „zerlegt“ und erzeugen so neue ästhetische Dimensionen dieser metaphorischen „Ich-Störungen“, deren Ambiguität hier im Mittelpunkt steht.