Gunnar Krüger, aus der Serie „The Golden Age“,

Morgen ist überall
#22 Abschlussausstellung (Teil 1)

21. Oktober bis 26. November 2017
Vernissage am Freitag, den 20. Oktober um 19 Uhr

„wir brauchten änderung aber die änderung brauchte jahre“
Ernst Jandl „zwei“, Dingfest, 1973

Sieben Absolvent*innen der NEUEN SCHULE FÜR FOTOGRAFIE BERLIN präsentieren mit der Abschlussausstellung #22 Morgen ist überall (Teil 1) Arbeiten, die in der Klasse bei Eva Bertram entstanden. Genreübergreifend dient ihnen die fotografische Praxis in erster Linie als persönliches Ausdrucksmittel zur wehrhaften Verortung der eigenen Person. Basierend auf Interessen, Erlebnissen und Erfahrungen analysieren sie ihre Beziehungen zum Anderen wie zu sich selbst und öffnen so einen Blick auf persönliche Verhältnisse. „Fotografie ist eine Form der Selbstverteidigung“ (Eva Bertram)

In seiner Serie „The Golden Age“ verschränkt Gunnar Krüger die trügerischen Aspekte der Stadt Las Vegas mit der Figur Donald Trumps. Dokumentarische Aufnahmen und Selbstinszenierungen werden  sein Zeugnis einer mehrfachen Verführung: der des Reisenden, der des Betrachters und der des Wählers.

Chiara Pavolucci erzählt in ihrer fotografischen Inszenierung „Dust | Rebirth“ von der Beziehung zu ihrer Mutter sowie von der Beziehung einer zweiten Chiara zu ihrer verstorbenen Mutter. Anhand eindringlicher Inszenierungen finden die Rollenverteilungen, Muster, Abhängigkeiten sowie Befreiungsschläge zwischen Mutter und Tochter eine emotionale bildliche Umsetzung.

Für seine Arbeit „Zwei. Eine Stunde“ verabredet sich Alexander Klang mit ihm unbekannten Personen an ihm unvertrauten Orten. In der ungeplanten, improvisierten Begegnung sucht Klang nach natürlichem Ausdruck, einem intimen Moment, einer unerwarteten Geste – stets in einem reduzierten und grafischen Umfeld.

Martin Scholz spürt in „Was mach ich hier eigentlich?“ einem verworrenen Arrangement aus Persönlichkeit, Körper und Ort nach. In einer anachronistischen Erzählung aus Stilleben und Inszenierungen üben die eigene Person und das kalte Material als zentrale Motive den Verzicht auf „die Botschaft“ und erlauben nur noch den Rückschluss auf das Dagewesene.

„Zwei, ein Kampf“ ist eine Hommage an meine Vergangenheit, jedes Bild ein Stück wandelbare Identität sagt Melanie Bohn, die mit ihren Selbstinszenierungen Leidenschaft, Körperlichkeit, Bewegungsstudie und Kampfkunst gegen geschlechtsspezifische Zuordnungen und Abhängigkeiten antreten lässt.

In der Arbeit „Kleinod” beschäftigt sich Tabea Przybilla mit der fotografischen Darstellung von Schmuckstücken, die ausschließlich von ihrer Großmutter stammen. Im übertragenen Sinne kann ein Kleinod ein ganz unscheinbarer Gegenstand sein, dessen persönlicher und ideeller Wert erst auf den zweiten Blick erkenntlich ist.

Tristan Barkowski fotografiert HipHopkünstler und Fans auf Konzerten und hinter den Kulissen. Atmosphärisch und schonungslos zugleich schälen seine Aufnahmen charakteristische (Selbst)Inszenierungen der Protagonisten dieser Musikgattung heraus.

Chiara Pavolucci, „Dust | Rebirth“
Alexander Klang, „Zwei. Eine Stunde“
Martin Scholz, „Was mach ich hier eigentlich?“
Melanie Bohn, „Zwei, ein Kampf“
Tabea Przybilla, „Kleinod”
Tristan Barkowski, "XXX"