2017

Foto: Maria Blume

Das Andere. Die Anderen. Ich.

Freie Klasse Eva Bertram

3. Juni bis 2. Juli 2017

Hengame Hosseini, Joseph Chio, Maria Blume, Michaela Booth, Michael Peter Kollbach, Solveig Faust, Sophia Paeslack, Ulrich Kleipaß

Die Ausstellung „DAS ANDERE. DIE ANDEREN. ICH“ zeigt Auszüge aus acht fotografischen Projekten, die zwischen 2015 und 2017 im Rahmen der FREIEN KLASSE bei Eva Bertram, Dozentin an der Neuen Schule für Fotografie Berlin, entstanden.

Verbindendes Moment für die acht selbst gewählten Fotoprojekte ist das Potential des Dialogs, das den Akt des Fotografierens begleitet. Die reale Begegnung mit dem Gegenüber dient hier vor allem dem Erkenntnisgewinn.

Eine Mutter, die an einer Borderlinestörung leidet, ist instabil in ihrem Selbstbild, ihren Gefühlen und zwischenmenschlichen Beziehungen. MARIA BLUME rekonstuiert in ihrer Serie „Mitten ins Herz“ anhand inszenierter Schwarzweiß-Fotografien Erinnerungen an ihre Erfahrungen, die sie als Kind mit dieser Form mütterlicher Unberechenbarkeit machte.

Mit der Arbeit „4 – Warum wachsen Menschen automatisch“ hält SOPHIA PAESLACK im Dialog mit ihrem Sohn den unmittelbaren und oft universellen Blick fest, mit dem das Kind Fragen an seine Umgebung richtet. Aus dem Zusammenspiel unstillbarer Neugier und der Unwissenheit darüber, wo man auf der Welt steht, bildet sich ein eigenwilliger Kosmos: alles ist eins und absolut – jede Minute ein Tag, jede Tannennadel ein Baum.

HENGAME HOSSEINI kommt aus dem Iran und arbeitet als Designerin und Ingenieurin bei einem Airbaghersteller. In ihrer Arbeit „The Immutable Laws of Survival“ wendet sie die Arbeitsweise eines Ingenieurs auf ihr eigenes Leben an. Sie begreift sich selbst gleichzeitig als Produkt und Produktentwicklerin und zeigt die Herausforderungen, die daraus für sie erwachsen in Form einer ungewöhnlichen, multimedialen Installation.

JOSEPH CHIO von den Phillipinen setzte sich während eines 2-jährigen Aufenthalts in Mannheim mit seiner Nachbarschaft im Bezirk Neckarstadt-West auseinander, der viele Zuwanderer und selbst ernannte Aussenseiter beherbergt. Für die Arbeit „Bittersweet Caramel Chili Chocolate“ fotografierte er die Menschen, ihre Umgebung sowie Gebraucht-und Billigwaren, die dort in Umlauf sind. Dabei bewegte ihn die Frage, warum diese Dinge ge- und verkauft werden und inwiefern sich ein Zusammenhang herstellen lässt zu dem Wunsch nach einem Neuanfang.

MICHAEL PETER KOLLBACH zeigt in seiner Serie „Nelle mani di Dio“ die pathetische Choreographie der Berührungen zwischen ausschließlich männlichen Teilnehmern an der traditionellen Osterprozession in Trapani, Sizilien 2016/17. In konzentrierten Kompositionen legt er so eine zeitübergreifende Ästhetik spiritueller Emotionen frei.

Die Fotoserie »The way I walk« von MICHAELA BOOTH wurde an verschiedenen europäischen Orten aufgenommen und zeigt in bühnenhaft anmutenden Kompositionen die Suche nach dem besonderen Licht und dem Zauber der leisen Beobachtung. Zur Arbeit erscheint eine Publikation.

2001 stirbt Hedwig Bollhagen. Seit 1934 hat sie mit ihren HB- Werkstätten in Marwitz das keramische Schaffen in Deutschland, besonders in Ostdeutschland bedeutsam geprägt. Was bleibt? Wie lebt ihr Erbe in Marwitz, bei Freunden und Schülern weiter? So entstand von Oktober 2015- August 2016 die fotografische Spurensuche Marwitz. In der Werkstatt“ von SOLVEIG FAUST mit Portraits und Werkstattbildern.

ULRICH KLEIPAß zeigt in seiner Serie „Intimacy“ Momente der Ruhe und Kontemplation. Die Abgebildeten sind bei sich, zugleich wird jedoch Bezug auf einen möglichen Partner genommen: Vielleicht hat er die Szene schon verlassen oder wird noch erwartet. Der scheinbar unbemerkte Blick des Fotografen erfüllt keine voyeuristischen Erwartungen, sondern zeugt vielmehr von einem Vertrauensverhältnis.

Foto: Michaela Booth

Impressionen vom Eröffnungsabend: